Vom Kleinen und Großen Ahornboden

Vom Kleinen und Großen Ahornboden

In der Mythologie vertreibt der Ahorn böse Geister sowie Hexen und erfüllt Hoffnungen und Träume. Er steht für Harmonie, Ruhe und Gelassenheit. Er wird zu den “heiteren Bäumen” in unseren Breiten gerechnet. Dies konnte ich bei einem Besuch des großen und kleinen Ahornboden im Karwendelgebirge im Jahr 2014 spüren.

Die dort auf den Almböden stehenden knorrigen Berg-Ahornbäume (Acer pseudoplatanus Leopoldii) verwandeln die Hochebenen zu sehr besonderen Plätzen. Aufgrund ihres hohen Alters von ca. 300 – 600 Jahren sterben immer wieder einzelne Exemplare ab und werden durch neue Bäume ersetzt. Der große Ahornboden steht seit 1927 als Naturdenkmal unter besonderem Schutz.

Großer Ahornboden
Großer Ahornboden im Lichtspiel

Die Entstehungsgeschichte des Großen Ahornbodens beginnt in der letzten Eiszeit, als eine mehrere hundert Meter dicke Eisschicht die Ebene aushobelte. Nach der Schmelze häufte der Fluss eine teilweise mehr als 100 Meter mächtige Schotterfläche an. Gut gedüngt vom Weidevieh fühlt sich der Bergahorn auf diesem Boden sehr wohl. Ausführungen zufolge konnte die Alpfläche zur Zeit des ‘Dreißigjährigen Kriegs’ (1618 bis 1648) kriegsbedingt nicht genutzt werden. Da keine Kühe weideten konnten sich die Bergahorne ungestört verbreiten und entwickeln. Auch Viehseuchen könnten ein Grund gewesen sein, dass die Flächen nicht bewirtschaftet wurden. Im Jahr 1996 wurden am großen Ahornboden 2.409 schattenspendende Bäume gezählt. Die besondere Lage der auf 1.080-1.300m ü. A. liegenden Hochebene ist gezeichnet durch die gewaltigen, bis zu 900m hohen senkrechten Felswände der Laliderer Wände am Ende des langgestreckten Engtals. Diese sind Teil der Hinterautal-Vomper-Kette, deren teilweise überhängenden Wände ebenfalls den Horizont des kleinen Ahornbodens unterhalb der Birkkarspitze (2.749m), des höchsten Berges im Karwendelgebirge, bilden.

Blick vom Gamsjoch
Blick vom Gamsjoch ins Engtal

Der kleine Ahornboden liegt sehr idyllisch auf etwa 1.400m ü. A. am Ende des Johannestals. Wie der Name schon sagt gibt es hier nicht ganz so viele Berg-Ahorn Bäume wie bei seinem großen Bruder. Dafür strahlt er wie ich finde aber mehr Kraft und Ruhe aus. 

Kleiner Ahornboden
Kleiner Ahornboden

Im Vergleich zum Spitz-Ahorn hat der Berg-Ahorn eine nicht eine so bunte Herbstfärbung. Dafür kann er in höheren Lagen wie am Ahornboden zu einem Feuerwerk von Gelbtönen werden. Für dieses Spektakel ist der Ahornboden bekannt und ich freue mich bereits auf die Gelegenheit mich davon selbst überzeugen zu können. Etwas Besonderes an alten Berg-Ahornen ist auch deren schuppenförmige Borke. Sie besticht durch ein fantastisches Formen- und Farbenspiel von gelb bis dunkelbraun und grün. Die ältesten Schuppen sind dunkel, und wenn sie schließlich abfallen kommen ganz helle Bereiche zum Vorschein. Auf den uralten knorrigen Stämmen finden sich Flechten, Moose und Farne aller Art. Für die Kelten symbolisierte das weiße Holz eine besondere innere Reinheit. Das Holz des Berg Ahorns zählt zu den wertvollsten Edellaubhölzern und wird heute nicht nur im Möbelbau, sondern auch im Instrumentenbau geschätzt. 

Farne Moose und FlechtenGroßer Ahornboden - Berg-AhornAlter Berg-AhornIm Gegenlicht

Bis in eine Höhe von 2.000m ü. A. ist der Berg-Ahorn anzutreffen. Er wächst damit in höheren Lagen als die meisten Laubbäume und wird daher auch als die “Eiche der höheren Lagen” oder eine „kühle Schönheit“ bezeichnet. Die Vegetationszeit der Bäume ist kurz. Im Winter sind sie nicht selten bis zu 3 Meter hoch vom Schnee verschüttet um im nächsten Frühjahr wieder auszutreiben. Eingebettet in diese malerische Bergkulisse bietet der Ahornboden sehr viele schöne Gelegenheiten für die Naturfotografie.

Großer Ahornboden
Großer Ahornboden – Blick ins Engtal

Quellen: http://www.nzz.ch/wandern-auf-dem-adlerweg-1.18126082; http://www.sueddeutsche.de/reise/oesterreich-gelbsegen-1.2668812http://www.ahornboden.com; LGBl. 28/1989; http://baum-des-jahres.de; http://www.waldwissen.net “Der Bergahorn in Volksglauben und Geschichte; Alexandra Wauer”

2 thoughts on “Vom Kleinen und Großen Ahornboden

  1. Hallo Andreas,
    es handelt sich um die Körner Linden, gepflanzt 1881. Insgesamt sind es wohl 4 Linden, der eine hat sich wohl tatsächlich verzweigt/gespalten.
    Grüße Thomas

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