Die Riesen aus dem Auenwald
Versteckt sind Sie und überragen in Ihrer Größe doch alle anderen Wipfel bei weitem – gemeint sind die Riesen aus dem Auenwald. Hier stehen sie, Riesenmammutbäume (Sequoiadendron giganteum) und unter Ihnen der Größte in ganz Deutschland. Er bringt es nach Messungen auf beeindruckende 57m. Wenn man direkt vor dem wuchtigem Stamm steht und versucht beim Blick zum Himmel die Spitze ausfindig zu machen fühlt man sich als Teil eines Miniaturwunderlandes. Schnell stellt man fest, dass es gar nicht so einfach ist, einen freien Blick durch den dichten Wald auf die Wipfel der Riesen zu erhaschen. Zwischen dem Nadelwald wirken die mächtigen Stämme sehr anmutig und zugleich mystisch.


Im Vergleich dazu bringt es der höchste Baum Deutschlands, eine Douglasie Namens “Waltraud vom Mühlwald” bei Freiburg auf mittlerweile 66m bei einem jährlichen Wachstum zwischen 35 und 40cm. Die Mammutbäume im Auenwald wachsen noch mehr als 50cm im Jahr und auch der Stammdurchmesser hat noch lange nicht seinen Höchststand erreicht. Der Dickste unter Ihnen bringt es auf einen Brusthöhendurchmesser von stolzen 1,86m – Luft nach oben, zum mit 4,33m mittlerweile dicksten Mammutbaum Deutschlands bleibt dennoch vorhanden. Es ist zu hoffen, dass die wunderbare Baumgruppe von langen, heißen Trockenperioden sowie anderem Unheil verschont bleibt.


Die Mammutbäume im Auenwald stammen aus der Wilhelma Saat von König Wilhelm I. von Württemberg, der der königlichen Forstdirektionen im Land einen außergewöhnlichen Pflanzauftrag gab. Als Mitte des 19.Jahrhunderts die riesigen Mammutbäume in Nordamerika entdeckt wurden, nahm König Wilhelm I. als ausgewiesener Naturliebhaber dies zum Anlass, sich direkt aus Kalifornien Samen liefern zu lassen, um diese im Kalthaus der heutigen Wilhelma in Stuttgart aufziehen zu lassen. Zu dieser Zeit wurden diese Baumriesen in Württemberg als Wellingtonie bezeichnet. Die Jungpflanzen wurden anschließend systematisch an exponierten Standorten in den königlichen Wäldern und in zahlreichen Schlossgärten und Parkanlagen Württembergs angepflanzt.

Fakten: siehe Mammutbaumregister von mbreg.de; http://www.wilhelma-saat.de/
5 thoughts on “Die Riesen aus dem Auenwald”
Sehr schöner Bericht, sieht super aus und ist sehr interessant!
Ich würde mal sagen, der Andreas liegt bei der Baumchallenge vorne 😉 Zählt der Hund als Meterstab (wie lange ist der denn)?
Vielen Dank für den tollen, informativen Beitrag.
Hallo Andreas,
wunderbarer Bericht. Das Schöne ist, dass es hier im Süden noch viele mehr oder weniger versteckte Standorte dieser Baumriesen zu entdecken gibt. Ihr könnt also noch ein paar Ausflüge einplanen. Mittelfristig solltet ihr aber auch den Trip über den großen Teich in die Sierra Nevada ins Auge fassen. Dort stehen die letzten Überlebenden der großen Abholzungswellen der letzten 160 Jahre, die mittlerweile auch einigermaßen geschützt werden. Wir waren im Juni dort, konnten aus Zeitgründen leider nicht den Sequoia NP anfahren und die berühmte Mariposa Grove im Yosemite NP war aufgrund der Erneuerung der Wanderwege gesperrt. Sind letztlich in den Calaveras Big Trees State Park ausgewichen, was sich als Glücksfall erwies. Dort wurde 1852 der erste Riesenmammutbaum “Discovery Tree” entdeckt (auf weiße Siedler bezogen). Leider im Folgejahr auch direkt durch zwei Dutzend Männer in drei Wochen gefällt. Trotzdem bietet der Park sehr viel Natur und Geschichte. Der große Goldrausch 1849 hat die Menschen damals nach Kalifornien und schließlich in die Berge der großen Bäume getrieben. Und nicht zuletzt die traurige Geschichte dieser Bäume hat bei Naturschützern die großartige Idee der Nationalparks entzündet, die seither viel positives bewirkt hat. Viele Grüße Matthias
https://www.google.de/amp/s/amp.theguardian.com/environment/blog/2013/jun/27/giant-tree-death-conservation-movement%3f0p19G=e